Bioabfallvergärungsanlage (Bioabfallverwertung Heidekreis) zwischen Benefeld und Westerharl wird gebaut! Geplante Inbetriebnahme im Jahr 2022

Auf der Bauausschusssitzung der Gemeinde Bomlitz am 10. Juli 2019 wurde das Projekt von Herrn Schäfer Abfallwirtschaft Heidekreis (AHK) vorgestellt. Hintergrund ist, dass die Verträge der AHK zum 31.12.2019 auslaufen. Die AKH muss daher einen neuen Weg finden, Reststoffe aus der braunen Tonne und Grüngut zu entsorgen und weiter zu verarbeiten.

Wer baut die Anlage?

Es wurde eine GmbH „Bioabfallverwertung Heidekreis“ (Kurzname „BVH“) mit Sitz in Soltau, gegründet, an der zu 51% die AHK und zu 49% das Unternehmen Komputec beteiligt ist. Der Geschäftsführer (nur Teilzeit) wird auf Vorschlag der Komputec ernannt. Die BVH wird 4 Mitarbeiter haben, der GF zählt nicht dazu. Die AHK kauft das Grundstück, die BVH mietet über Erbpacht. Die Investitionssumme beläuft sich auf ca. 13 Mio. €, davon muss die Komputec 20% einzahlen. Komputec ist ein Unternehmen der Eggersmann Gruppe, deren Tochtergesellschaft Bekom  die Gäranlage konstruiert und baut.

Wo kommen die Abfälle her?

12.000 Tonnen pro Jahr kommen direkt über die AHK. Diese werden teilweise direkt über „orange Sammelwagen“ geliefert, teilweise über größere Fahrzeuge. 6.000 Tonnen pro Jahr kommen aus dem Landkreis Diepholz. Diese werden ebenfalls in größeren Fahrzeugen geliefert, das sind ca. 250 Lkw Ladungen pro Jahr.

Warum dieser Standort?

In den ersten Informationen zu dem Projekt war immer die Rede davon, dass dieser Standort optimal ist um das erzeugte Gas direkt in die dort verlaufende Gasleitung einzuleiten. Davon ist heute keine Rede mehr, dennoch wird am Standort festgehalten. Und das obwohl viele Fachpublikationen Standorte für solche Anlagen in der Nähe von Wohnbebauung nicht empfehlen.

Was wird verarbeitet?

Es sollen ausschließlich private Abfälle aus braunen Tonnen und Grüngutabfälle verarbeitet werden, so wird auch die Betriebsgenehmigung ausgestellt. Es werden keine weiteren Abfälle, aus industriellen Betrieben, wie Mastbetriebe, Mais Silage oder Gülle etc. angenommen und verarbeitet. Bislang haben 60% aller Haushalte eine braune Tonne. Die AHK setzt darauf, noch mehr Haushalte für eine braune Tonne „begeistern“ zu können. Außerdem landen ca. 5.000 Tonnen Grüngut jedes Jahr als Fehleinwurf in der grauen Tonne. Das soll zukünftig vermieden werden.

Was wird da gebaut?

Die Bioabfallvergärungsanlage ist für 25.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt. Dazu benötigt man 5 so-genannte Garagenvermenter, die ca. 21 Tage für einen Durchlauf brauchen. Die Anlage ist eingehaust, die angelieferten Mengen werden drinnen gelagert. Die niedrig Methan-haltigen Ablüfte werden vor dem Öffnen abgefackelt: Brenndauer ca. 10 Minuten. Die Gärreste, ein sogenannter Frischkompost mit dem Rottegrad 2-3, werden im Freien (bisherige Kompostieranlage in Benefeld) gelagert, und dort zu Fertigkompost weiterverarbeitet.

Was passiert dann mit dem erzeugten Gas?

Über zwei Blockheizkraftwerke wird das erzeugte Methangas verstromt. Die Wärme kann ausgekoppelt werden, für z.B. andere Unternehmen im Gewerbegebiet. Die Anlage wird nach 20 Jahren, dann endet die Einspeisevergütung, nicht zurückgebaut, die bleibt stehen. Wahrscheinlich übernimmt dann die AHK die BVH dann vollständig. Ca. 3 Mio. kWh Strom pro Jahr wird die BHK liefern, davon werden 1 Mio. kWh Strom pro Jahr als Bedarf für die Biogas-Großanlage benötigt. 2 Mio. kWh Strom werden pro Jahr ins Netz eingespeist.

Was bedeutet das für die Bürger und für unsere Gemeinde?

Da nur zwei Einnahmequellen zur Verfügung stehen: die Gebühren der Bürger für die braunen Tonnen und die Vergütung nach EEG für den eingespeisten Strom, denn die Auskoppelung von Wärme ist noch fraglich. Es kommen aber mit einiger Wahrscheinlichkeit langfristig Mehrkosten auf die Bürger zu, da die GmbH zwar Gewinne erwirtschaften, aber keine Verluste erzeugen darf und die Vergütung nach EEG ist auf 20 Jahre festgelegt. Dazu kommt erhöhtes Verkehrsaufkommen durch LKW Verkehr. Eine Geruchsbelästigung, die von der AHK als gering eingestuft wird und der Lärm durch das Abfackeln. Ob der Geruch als gering, und der Lärm beim Abfackeln des Gases als leise eingestuft wird, ist sicher abhängig von der jeweiligen Wahrnehmung der Anwohner. Für die Gemeinde bedeutet das Vorhaben außer Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf wenig. Leider keine laufenden Einnahmen aus der Gewerbesteuer, da der Sitz des Unternehmens in Soltau ist und auch nur wenige neue Arbeitsplätze. Beides könnten wir gut gebrauchen. Wichtig für Bürger und Gemeinde ist daher, dass die Vorgaben für die Anlage hinsichtlich verarbeiteter Abfälle und Umweltbelastungen explizit in der Betriebsgenehmigung enthalten sind. Darauf zu achten, ist dann die Aufgabe des Rates und der Genehmigungsbehörde.

Uwe Eilers

Für den Vorstand der BLB